Der Fachverband für ambulant
begleitete Wohngemeinschaften
20. April | News

2026: „Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht“ – Fachverband WiG fordert strukturelle Klarheit bei Entlastungsmaßnahmen

Die aktuell diskutierte steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist aus Sicht des Fachverbandes WiG – Wohnen in Gemeinschaft ein politisches Signal. Gleichzeitig weist der Verband darauf hin, dass die Maßnahme ein grundlegendes strukturelles Problem im Pflegesystem offenlegt.

„Die Debatte zeigt einmal mehr: Es werden Erwartungen erzeugt, die im bestehenden System nicht tragfähig abgebildet werden können“, erklärt der Vorsitzende des Fachverbandes WiG, Dr. h.c. Claudius Hasenau.

Im Bereich des gemeinschaftlichen Wohnens und der ambulanten Versorgung sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Vergütungsfindung klar definiert:

– Personalkosten unterliegen regulatorischen Vorgaben der Kranken- und Pflegekassen

– Vergütungen sind verhandelt oder festgelegt

– zusätzliche Leistungen sind nicht automatisch refinanziert

Parallel dazu deuten aktuelle Reformüberlegungen im Gesundheitswesen – insbesondere im Kontext der Begrenzung bestehender Refinanzierungsmechanismen (vgl. Reformempfehlung Nr. 57) – darauf hin, dass die finanziellen Spielräume im System weiter eingeschränkt werden.

Aus Sicht des Verbandes entsteht daraus ein struktureller Widerspruch:

„Politisch formulierte Erwartungen treffen auf ein System, das deren Umsetzung strukturell nicht zulässt. Dieser Zielkonflikt wird bislang nicht ausreichend adressiert“, so Hasenau.

Für Träger in der Pflege bedeutet dies eine doppelte Verantwortung:

Einerseits gegenüber den Mitarbeitenden, die zu Recht Wertschätzung und Anerkennung erwarten.

Andererseits gegenüber den betreuten Menschen, die auf eine stabile und verlässliche Versorgung angewiesen sind.

Der Fachverband WiG warnt davor, diesen Zielkonflikt durch kurzfristige Maßnahmen zu überdecken:

„Wertschätzung ohne Refinanzierung ist kein tragfähiges Modell. Sie verlagert Verantwortung in die Einrichtungen, ohne die strukturellen Voraussetzungen zu schaffen.“

Vor diesem Hintergrund fordert der Verband eine klare politische Auseinandersetzung mit der langfristigen Finanzierbarkeit zusätzlicher Leistungen im Pflegesystem:

„Wenn die Pflege zukunftsfähig bleiben soll, braucht es verbindliche und nachhaltige Rahmenbedingungen – keine punktuellen Entlastungen ohne systemische Grundlage.“